Der Unternehmenswertrechner liefert kostenlos eine Online-Unternehmensbewertung auf der Basis von 30 Verfahren wie DCF, Multiples, KGV, APV, WACC, CAPM, EBIT (Freeware). Auch für Gerichtsgutachten verwendbar. Die Ermittlung erfolgt aufgrund eines Methoden-pluralistischen Ansatzes laut Gewichtungstabelle.

Unternehmensbewertung online
Carl W. Barthel

Unternehmenswert: Dominanz der Argumentationsfunktion

1. Einleitung
Die Kölner Funktionenlehre der Unternehmensbewertung kennt nur drei Hauptfunktionen: die Beratungsfunktion, die Vermittlungsfunktion und die Argumentationsfunktion. Das Hauptaugenmerk in Praxis und Theorie lag bislang in dominanter Weise auf der Beratungsfunktion mit der Zielsetzung Schaffung von Entscheidungswerten. Nunmehr hat Gorny - aufbauend auf den Untersuchungen von Matschke - eine Dissertation vorgelegt, die die Argumentationsfunktion von der wissenschaftlichen Seite bezüglich des Verhandlungsprozesses gründlich beleuchtet und - wie Leuschner formuliert - Einblick in einige neue, theoretisch fundierte Aspekte der Unternehmensbewertung gibt. Dabei begreift Gorny die Verhandlung als semantischen Bezugsrahmen für die Argumentationsfunktion. Nach Gorny induziert die Argumentationsfunktion im Kern ein bilaterales Preisfindungsproblem, das nur von den beteiligten Parteien gemeinsam im Rahmen eines Verhandlungsprozesses gelöst werden kann. Dieser Problemlösungsprozess ist dabei so zu strukturieren, dass auf seiner Grundlage ein Entscheidungsunterstützungssystem entworfen werden kann. Sein Modell basiert auf der mathematischen Theorie der diskreten dynamischen Systeme. Das wesentliche Merkmal einer Preisverhandlung als prozessualem Phänomen ist hiernach im sequentiellen Austausch von Angeboten und Gegenange-boten zu sehen, die der Beeinflussung der jeweiligen Gegenpartei dienen und diese zu einem kon-vergenten Angebotsverhalten (Angebotsfolge Zug um Zug) motivieren. Kommunikation und die wechselseitige Beeinflussung der Parteien sind die zentralen Merkmale des Verhandlungsprozesses.
Die Behandlung der Argumentationsfunktion wurde gegenüber der nach wie vor in Deutschland dominierenden Beratungsfunktion bislang in der Theorie stark vernachlässigt. Der Autor hatte bereits 19908) auf die Dominanz der Argumentationsfunktion hingewiesen, was nicht ohne Widerspruch in der Literatur bleib. So äußerte sich Ballwieser:
"Hier könnte es einerseits eine Vielzahl an Methoden geben, die alle akzeptabel erscheinen, andererseits ist nicht zu erwarten, dass im Einzelfall alle Methoden gleich gut sind. Die Theorie hat nicht ü-berzeugend begründen können, welche Methoden wann taugen, weshalb die Lehre von den Bewertungsverfahren zum Zwecke der Argumentationsfunktion in den Kinderschuhen stecken geblieben ist."

II. Abgrenzung zur "Beratungsfunktion"
Der "Argumentationswert" als Ausfluss der Argumentationsfunktion wird nachfolgend als begrifflicher Gegensatz zum Entscheidungswert als zentraler Gegenstand der Betrachtung im Rahmen der Beratungsfunktion aufgefasst. Der Entscheidungswert ist stets auf ein bestimmtes Bewertungssubjekt (Käufer oder Verkäufer) bezogen mit entsprechend strikter Orientierung am Zielplan und dem Entscheidungsfeld des Bewer-tungssubjekts (Grundsatz der Subjektivität). Insoweit erfordert die Realisation künftiger Ziele die Zukunftsbezogenheit der Bewertung (Grund-satz der Zukunftsbezogenheit), sowohl in Bezug auf den Entscheidungswert des Käufers (Preisobergrenze) als auch in Bezug auf den Entscheidungswert des Verkäufers (Preisuntergrenze).
Diese Entscheidungswerte bleiben zu Vermeidung der Verschlechterung einer Verhandlungsposition "hinter der vorgehaltenen Hand" und stellen die jeweilige Grenze der Konzessionsbereitschaft des Bewertungssubjekts dar. Der Entscheidungswert entspricht dabei dem Preis, bis zu dem sich die Unternehmenstransaktion für das Bewertungssubjet gemessen am Vergleichsprogramm gerade noch lohnt (Grenzpreis). Das Vergleichsprogramm wird üblicherweise im Rahmen der Beratungsfunktion der (bisherigen bzw. künftigen) Geldanlage in eine (langfristige, nahezu risikolose) Staatsanleihe entlehnt, weshalb auch das Investitionskalkül im Vordergrund der Betrachtung steht: ein Investor würde sich nicht rational verhalten, wenn er "unter dem Strich" weniger durch eine Investition in das Bewertungsobjekt erhalten würde als bei einer Vergleichsinvestition (für den Verkäufer bei der Desinvestition gilt dies umgekehrt).
Nachfolgend wird dieses Modell als "Investitionsmodell" bezeichnet. Im Rahmen der Beratungsfunktion dominieren in der Bewertungstheorie auf der Investitionsrechnung aufbauende Bewertungsverfahren, die insgesamt stets prognose- und nutzenorientiert sind. Hierzu werden, allgemein formuliert, künftige Nutzengrößen (regelmäßig sind dies die Nettoentnahmen bzw. Einzahlungsüberschüsse) mit einem adjustierten Kalkulationszinsfuß auf den Bewertungsstichtag diskontiert, wobei zur Reduzierung der Komplexität stets erhebliche "Vereinfachungen" erforderlich sind.

Den weiterführenden Text finden Sie unter www.unternehmenswertrechner.de
in Abschnitt B.3.